Dienstag, 13. Juni 2017

Hitzeschlacht in Schwanheim

Auch in diesem Jahr fand der Pfingstlauf im Rahmen des Main-Lauf-Cups wieder bei zum Pfingstsamstag wohl üblichen subtropischen Bedingungen statt.



Die von den Veranstaltern trotz der erzwungenen Streckenänderung gut präparierte Strecke ist nicht ausgesprochen anspruchsvoll, aber die Waldwege haben es speziell bei den Wetterbedingungen in sich.
Das Gewitter ist Gott sei Dank schon am Mittag über Frankfurt niedergegangen, so dass der Start gefahrlos möglich ist. Allerdings merkt man schon im Startblock die außergewöhnliche Schwüle und vor allem bei den Wechseln zwischen Wald und Lichtungen erlebt man ein wahres Wechselbad.

Wie üblich geht am Start die Post relativ schnell ab, ein Umstand dem auch die Spitzenläufer an diesem Tag Tribut zollen müssen.

Nach meinem desaströsen Halbmarathon in Steinberg in der Vorwoche habe ich gelernt:
1. Dieses Wetter liegt mir nicht
2. Wer schneller startet geht länger ein


Also beschließe ich, mich etwa in der Mitte des Feldes einzureihen und mich dadurch ein wenig ein- bzw. ausbremsen zu lassen. Eine goldrichtige Entscheidung. So kann ich nach etwa 3km das Feld ein wenig aufrollen und habe dieses Mal die Psychologie auf meiner Seite.

Zu frustrierend ist es, wenn man auf der zweiten Rennhälfte, wie in Dietzenbach, von nahezu jedem mühelos passiert wird.


Ich kann mein Tempo relativ gut halten und erst auf dem letzten Kilometer stoße ich auf einen Läufer, den ich nicht mehr selbst passieren kann. Die Uhr bleibt bei 47:26 auf einer akzeptablen Zeit stehen und auch mit Platz 10 in meiner Altersklasse bin ich bei den Temperaturen mehr als zufrieden. Zumindest bei den Platzierungen bleibe ich in dieser Saison extrem konstant.

Leider gab es angesichts der Temperaturen für mein Gefühl zu wenig Wasserstellen. Das mögen aber andere beurteilen, da ich hier nicht unbedingt der Maßstab bin. Ein Trog zum Eintauchen von Schwämmen gehörte hier zu meinen Verbesserungsvorschlägen.

Nach einem kurzen Intermezzo auf die Kurzstrecke bei JPMCC wartet dann Ende Juli in Hausen wieder ein Halbmarathon auf mich. Hoffentlich sind an diesem Tag die Temperaturen wieder mehr auf meiner Seite.


Da wir uns dann aber im Hochsommer befinden ist die Wahrscheinlichkeit eher gering. So werde ich, zumindest was die Zeiten angeht, eher kleinere Brötchen backen und mich an den Treffen mit meinen Lauffreunden erfreuen.






P.S.: Mein erster Wettkampf in den EIGHTSOX Ambition Short aus dem Hause Lowa. Ein sehr angenehmer Socken, der sich hervorragend um den Fuß schmiegt und während des Laufs nicht zu spüren ist. Der Testbericht folgt später.

Freitag, 28. April 2017

Mein Hamburg Marathon - Vier Jahreszeiten an einem Tag

Zum ersten Mal entschloss ich mich in diesem Jahr einen Frühjahrsmarathon außerhalb meiner heimischen Gefilde zu Laufen und die Wahl war einfach.
Seit Jahren konkurrieren Hamburg und Frankfurt um den zweiten Platz unter den deutschen Marathons. Die Kriterien erscheinen mir zwar ein bisschen seltsam, aber letztendlich entscheidet sowieso der persönliche Geschmack. In den vergangen Jahren habe ich über Twitter die Berichte und Kommentare meiner virtuellen Lauffreunde verfolgt und beschloss frühzeitig, bei guter Vorbereitung mein Glück in Hamburg zu versuchen.
Leider standen die letzten 10 Tage der Vorbereitung unter einem unglücklichen Stern. Meinen letzten Tempolauf musste ich mit Schmerzen im Sprunggelenk abbrechen und auch den darauffolgenden Langen Lauf könnte ich nicht planmäßig beenden. Um die aufkommende Entzündung aufzuhalten musste ich tatsächlich ein paar Tage Entzündungshemmer einnehmen und am Mittwoch davor dachte ich ernsthaft über eine Absage nach.
Nach der traditionellen Massage, bei der mit mein Physiotherapeut eine ausgezeichnete Konstitution bescheinigte beschloss ich dann aber, mein Glück zu versuchen. Die Entzüngshemmer setzte ich ab, auf keinen Fall wollte ich den Marathon unter dem Einfluss von Schmerzmitteln laufen.
Der nächste Dämpfer war dann die Wettervorhersage. Kalt, windig und regnerisch sollte es werden und genau so gestaltete sich meine Ankunft am Samstag in Hamburg. Zum ersten Mal nass wurde ich bereits auf dem Weg vom Hotel zur Messe.
Die Messe selbst ist im Vergleich zu Frankfurt sehr übersichtlich und auch die Abholung der Startunterlagen während der Mittagszeit ging schnell und reibungslos.

Ich brauchte lediglich 30 Minuten, um meine Ziele anzusteuern und hätte mich nicht ein alter Bekannter, Nils Krekenbaum von laufreisen.de angesprochen, wäre ich sehr schnell wieder auf dem Weg ins Hotel gewesen. So hatte ich allerdings die Gelegenheit, Manfred Steffny, den Herausgeber des Spiridon-Laufmagazins kennenzulernen.
Wer Wert legt auf nicht durch einen Großverlag gesteuerte und offene, manchmal sehr kritische Berichterstattung liebt, dem sei dieses Magazin empfohlen.
Nachdem ich auf dem Weg zurück ins Hotel erneut geduscht wurde, ruhte ich mich noch aus, bevor ich mich mit einigen Lauffreunden des #twitterlauftreff zu Pastaessen traf. Es geht doch nichts über Fachsimpelei im Kreise von Freunden :)
Der Wettkampftag begann recht hoffnungsvoll. Es war trocken und bis zum Start schien sogar ein wenig die Sonne. Doch schon auf dem ersten Kilometer kam die im wahrsten Sinne des Wortes kalte Dusche. Starker Regen und Graupelschauer, tiefe Pfützen und ein rutschiger Asphalt erschwerten uns die ersten Kilometer. Gott sei Dank hatte ich mich entschlossen, mit Kappe zu laufen. Ich empfand den Lauf als ausgesprochen unrhythmisch und lief mich nur schwer ein. Danach schien erst mal wieder die Sonne, bevor wir auf Höhe der Binnenalster erneut von Petrus begossen wurden. So erlebte ich Sonne und Regen im Wechsel, meinen Laufrhythmus hatte ich, vor allem durch die stetige Anfeuerung der vielen Zuschauer gefunden und bis zur Halbmarathonmarke war alles im Plan. Bei 1:46 und damit genau auf meinem Plan passierte ich die Matte.
Kurz darauf fing allerdings dann auch der Wind an, recht böig zu wehen und es dauerte nicht lange, bis ich leider ein wenig den Rhythmus verlor und auch die Motivation nachließ. Beschleunigen, wie erhofft, war mir nicht möglich und bei KM 26 musste ich erkennen, dass es sehr schwer werden würde, selbst meine alte Bestzeit von 3:34h zu verbessern. Jetzt war es Zeit für Plan C, wie Katrin von bevegt sagen würde. Ich entschied mich, die letzten 16 km sicher und ruhig zu joggen, um gesund ins Ziel zu kommen. Hamburg würde zwar mein einziger Tempomarathon in diesem Jahr sein, aber eine Verletzung wollte ich mir deswegen nicht einhandeln.
Ich zog das lange Laufshirt über die Uhr und ließ mich nur noch treiben. Bei KM 40 war seltsamerweise der 3:45h Ballon immer noch nicht an mir vorbeigezogen und so riskierte ich einen Blick auf meine Garmin Forerunner 735XT. Die erst am Vortag auf Empfehlung von Lauffreunden installierte IQ-App Peter's (Race) Pacer prognostizierte eine Zielzeit von erstaunlichen 3:42:20. Obwohl ich also gefühlt eher stand als lief war ich also immer noch flott unterwegs. Das gab mir einen kleinen Kick und so beschloss ich, noch einmal zu beschleunigen, um unter 3:42h zu finishen. Ich flog geradezu noch an einigen Läufern vorbei und kam mit 3:41:50 glücklich und unverletzt ins Ziel.

Mein Fazit: Der Hamburg Marathon ist auf alle Fälle eine Reise wert. Die Strecke und das Publikum sind meines Erachtens schöner als in Frankfurt, auch wenn der Rundkurs mit seinen Ecken und Kanten insgesamt schwieriger zu laufen ist. Was mir nicht gefallen hat, ist das mit Staffeln und Women's Race überfüllte Starterfeld. Speziell im Zielbereich war es recht schwierig, sich schnell und ausreichend zu verpflegen. Es gab einige Engpässe und die Wassermenge aus den dringend benötigten Duschen war leider ein Witz.
Am Wetter haben die Veranstalter keinen Einfluss und so ist es einfach Schicksal gewesen, dass die Veranstaltung unter Kälte, Regen und Wind zu leiden hatte.
Ansonsten kann man es sich in Hamburg herrlich amüsieren und auch das After Race Landungsbrücken Loading war erstklassig.


Ich komme trotzdem wieder, wenn auch nicht gleich im nächsten Jahr.


Hier noch die Rennanalyse:







Freitag, 17. März 2017

Lang - Länger - Clifton - Der Clifton 3 im Test


Auch in diesem Winter bekam ich von HOKAONEONE die Chance, das Facelift des Clifton in der neuesten, nun dritten Version zu testen.


Der Clifton 2, sein Vorgänger, ist bis heute mein absoluter Lieblingsschuh in meiner nicht gerade kleinen Sammlung.

Wie also würde sich sein Nachfolger machen? Könnte ich also meine langen Vorbereitungsläufe und eventuell den nächsten Marathon oder auch den Rodgau 50 wieder mit diesem Schuh laufen?

Der Test beginnt mit einer Enttäuschung. Warum in aller Welt musste man bei einer Weiterentwicklung den Schuh schwerer machen?


Sein Vorgänger war ein Wunder an Passform, Halt und Leichtigkeit. Wieso hat man diese Vorteile geopfert? Muss ein ohnehin saubequemer Schuh noch bequemer gemacht werden? Manchmal kann man auch verschlimmbessern!

Was mache ich nun mit diesem Schuh? In die Ecke schmeißen wäre die eine Variante, ich entscheide mich für eine andere:
Zuerst kaufe ich mir im Sale einen neuen Clifton 2, denn man weiß ja nie! Und dann beschließe ich, den Schuh unvoreingenommen von seinem Vorgänger zu testen.


Also wird  der Schuh kurzerhand noch vor dem Frankfurt Marathon geschnürt, als der 32 km Lauf vor dem Frankfurt Marathon auf dem Programm steht. Und siehe da, es geht. Und so spule ich seitdem in gewohnter Manier weiterhin meine langen Läufe ausschließlich mit Clifton Modellen ab.






Die Sprengung des Clifton 3 wurde unverändert bei 5 mm belassen und beim Komfort ist die durchgehende, formgepresste EVA-Zwischensohle ohnehin kaum zu überbieten.

Nur der Raum im Vorfuß ist selbst für meine Plattfüße extrem groß und wird mir im Laufe der Vorbereitung noch einige kleinere Probleme bereiten. Auch das Obermaterial und die Fußkappe empfinde ich als relativ starr und wenig geschmeidig, auch wenn die bekannte nahtlose Speedframe-Konstruktion verwendet wird.

Dazu kommt das etwas höhere Gewicht, dass die Langen Läufe spezielle auf den letzten Kilometern doch deutlich anstrengender macht.


Wie ich das so beurteilen kann? Zwei mal habe ich den Clifton 3 im Büro vergessen und muss auf den Vorgänger zurückgreifen. Sofort habe ich das Gefühl einer Vertrautheit zurück und fühle mich wesentlich leichter unterwegs.

Nun zu den Blessuren: Einmal hebe ich mir den kleinen Zehnagel ab, der sich unbewusst im Obermaterial verhakt hat und in der letzten Woche schaffe ich es, zum ersten Mal meinen großen Zeh zu demolieren. Durch Reibung am Obermaterial entsteht eine riesige Blase und dann wird auch noch irgendwie meinen Zehnagel nach oben geschoben. Ein Gefühl, dass für mich völlig neu ist.

Warum halte ich das aus?
Meine Sprunggelenke waren zu Beginn meiner Laufkarriere die Schwachstelle meines Laufkörpers. Das hat sich grundlegend geändert, seitdem ich die längeren Trainingsläufe vorzugsweise in Schuhen von HOKAONEONE bestreite. Ich habe weder während des Laufes noch am folgenden Tag Schmerzen und auch muskulär geht die Erholung relativ zügig vonstatten.

Und in die Reihe dieser Schuhe reiht sich der Clifton 3 großartig ein. Zwar werde ich ihn wegen seines Gewichtes nicht im Wettkampf einsetzen, aber für lange Läufe im Training bleibt er erste Wahl.
Außerdem ist der Clifton kein reiner Straßenschuh, er lässt sich auch sehr gut auf befestigten, manchmal auch unebenen Waldwegen laufen, ohne dass sich der Komfort nachhaltig verändert. Niemals habe ich das Gefühl der Unsicherheit, wie man es vielleicht bei der optisch gewaltigen OVER SIZE-Mittelsohlenkonstruktion befürchten könnte.






Mittlerweile zeigt die Sohle nach 450 Kilometern schon die HOKA-typischen Abnutzungserscheinungen, aber dem Laufgefühl tut das wie gewohnt keinen Abbruch. So werden die Schuhe die gewohnten 750 km für mich durchhalten.






Fazit: Der Clifton 3 ist ein sehr guter Allrounder und hervorragend für lange Trainingsläufe geeignet. Er ist nicht zu weich, wie mancher wegen der hohen Plateausohle meinen würde. Verbesserungswürdig wären aus meiner Sicht das Gewicht und der selbst für meine Füße recht große Fußraum. Nach wie vor mangelt es den Sohlen an langer Haltbarkeit, allerdings konnte ich beim Komfort keine Qualitätsverschlechterung feststellen.


Ich würde persönlich zwar das Vorgängermodell vorziehen, aber trotzdem bleibt der Schuh ein klarer Kauf.









Mittwoch, 18. Januar 2017

Spiridon Silvesterlauf Frankfurt - Schön mit Wermutstropfen

Und da war es passiert. Ob es sich nun um eine Unaufmerksamkeit das Streckenpostens oder um eine falsche Information seitens der Streckenverantwortlichen handelte, wird im Nachhinein schwer zu ermitteln sein.


Jedenfalls wurden beim letztjährigen Silvesterlauf des Spiridon Frankfurt alle Teilnehmer nach etwa 4,5 Kilometern auf eine falsche Strecke geschickt.


Mit viel Glück allerdings blieb den Teilnehmern das Schicksal erspart, der im Oktober beim Mainuferlauf die Läufer der 5 km Strecke falsch abbiegen ließ und damit das Rennen völlig irregulär machte.

Am Schluss liefen alle Teilnehmer die gleiche, um 300 m zu kurze Strecke und somit kann man zumindest von einem fairen Wettkampf sprechen.
Jetzt möchte ich hier auf keinen Fall den vielen ehrenamtlichen Helfern einen Vorwurf machen. Im Gegenteil: Ohne deren unermüdlichen Einsatz bei Wind und Wetter könnte keine noch so professionelle Laufveranstaltung stattfinden.


In der Regel starten viele Teilnehmer hier zu ihrem ersten 10 km Lauf und auch viele semiprofessionelle Läufer testen Form und Zeit, da der Silvesterlauf offiziell vermessen und damit das Ergebnis bestenlistenfähig ist.

Jedenfalls hagelte es jede Menge "Bestzeiten", die sich letztendlich als Muster ohne Wert herausstellten. Auch viele Hobbyläufer, die ja in erster Linie nicht um Platzierung, sondern für und gegen sich selbst laufen, waren enttäuscht.
Bei einigen Erststartern gab es ebenfalls lange Gesichter, denn der erste 10km Lauf ist ja auch ein Meilenstein, an dem man sich in Zukunft sowohl mit der zurückgelegten Strecke auch mit der erreichten Zeit messen möchte.
Viel Spaß als privater Pacemaker
Vielleicht sind in den letzten Jahren einige Events einfach zu glatt gelaufen und gerade Veranstalter großer Läufe können ein Lied davon singen, was alles schief gehen kann. Deshalb meine Bitte an alle Ausrichter: Seid sorgsam mit euren Teilnehmern und informiert eure Helfer sorgfältig. Auf das sich die Pannen nicht wiederholen!


Natürlich darf man die ansonsten perfekte Organisation nicht vergessen und auch die Qualität der Strecke war trotz des überraschenden Schneefalls erstklassig. So hatte man unterwegs und rund um die Wintersporthalle die Gelegenheit, umfangreich zu fachsimpeln und den Lauf zu genießen.




Fotos: Frankfurt Marathon, eigene